Ein kurviger Lebenslauf ist kein Nachteil. Vielleicht ist er sogar deine größte Stärke.

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Warum berufliche Umwege heute kein Problem mehr sein müssen und wie du erkennst, was in deinem bisherigen Weg wirklich steckt

Schule, Ausbildung oder Studium, ein Beruf und möglichst bis zur Rente in diesem Bereich bleiben.

So sah lange Zeit die Vorstellung eines guten beruflichen Lebenslaufs aus. Lücken, Wechsel und Umwege mussten erklärt werden. Wer nach vielen Jahren noch einmal etwas vollkommen anderes machen wollte, musste sich schnell die Frage gefallen lassen, warum er denn seinen bisherigen Weg „wegwerfen“ wolle.

Ich glaube, diese Vorstellung passt immer weniger in unsere Zeit.

Unsere Arbeitswelt verändert sich. Berufsbilder verändern sich, neue Tätigkeiten entstehen, andere entwickeln sich weiter und auch wir Menschen bleiben schließlich nicht dieselben. Digitalisierung und technologische Veränderungen sorgen zusätzlich dafür, dass sich Tätigkeiten innerhalb bestehender Berufe verschieben. Der Job-Futuromat des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zeigt diese Entwicklung sehr anschaulich: Berufe verschwinden nicht zwangsläufig, aber einzelne Tätigkeiten verändern sich oder werden durch neue ergänzt.

Warum also sollte ausgerechnet unser beruflicher Weg vollkommen gerade verlaufen?

Ein Lebenslauf ist keine Autobahn

Wenn ich auf meinen eigenen beruflichen Weg schaue, ist der ziemlich weit von einer geraden Linie entfernt.

Ich war viele Jahre Berufsschullehrerin und verbeamtet. Heute bin ich Unternehmerin, Coach und Gesichtleserin. Ich arbeite mit Führungskräften, mit Menschen in Veränderungsprozessen und mit Menschen, die beruflich an einem Punkt stehen, an dem sie merken: So wie bisher möchte ich nicht einfach weitermachen.

Auf einem klassischen Lebenslauf sieht das zunächst nach verschiedenen Welten aus.

Für mich fühlt es sich inzwischen überhaupt nicht mehr so an.

Denn wenn ich genauer hinschaue, zieht sich sehr viel durch all diese Stationen. Menschen begleiten, Potenziale erkennen, Entwicklung ermöglichen, Zusammenhänge erklären, Verantwortung übernehmen, Klarheit schaffen und Menschen dazu bringen, selbst ins Handeln zu kommen. Das ist mein „roter Faden“.

Das habe ich als Lehrerin gemacht. Das tue ich als Unternehmerin. Und genau das ist heute ein wesentlicher Bestandteil meiner Arbeit als Coach.

Die Überschrift hat sich verändert. Viele meiner Fähigkeiten nicht.

Und genau das ist etwas, das wir bei beruflichen Veränderungen häufig übersehen.

Wir sehen oft nur Berufsbezeichnungen, aber nicht unsere Fähigkeiten

Wenn Menschen über ihren beruflichen Weg nachdenken, schauen sie häufig zuerst auf ihre Berufsbezeichnung.

„Ich bin Lehrerin.“

„Ich bin Verkäufer.“

„Ich bin Ingenieurin.“

„Ich arbeite seit 20 Jahren in der Verwaltung.“

Und dann kommt irgendwann die Frage: Was soll ich denn anderes machen? Ich kann doch nur das.

Aber gerade an diesem Punkt lohnt es sich, genauer hinzuschauen.

Ein Beruf besteht nicht nur aus einer Berufsbezeichnung. Er besteht aus unzähligen Fähigkeiten, Erfahrungen und Kompetenzen, die wir im Laufe der Jahre entwickelt haben.

Vielleicht kannst du hervorragend organisieren. Vielleicht erkennst du sehr schnell, wo ein Problem liegt. Vielleicht kannst du Menschen zusammenbringen, Konflikte lösen oder komplizierte Sachverhalte verständlich erklären.

Vielleicht kannst du verkaufen, ohne dich selbst als Verkäuferin zu sehen. Vielleicht führst du längst Menschen, obwohl „Führungskraft“ nirgendwo auf deiner Visitenkarte steht.

Und vielleicht hast du Fähigkeiten entwickelt, die in deinem aktuellen Beruf kaum gebraucht werden, in einem ganz anderen Bereich aber unglaublich wertvoll wären.

Genau deshalb finde ich die Frage „Welchen Beruf soll ich machen?“ häufig viel zu früh gestellt.

Die spannendere Frage lautet zunächst: Was bringe ich eigentlich alles mit?

Kurven im Lebenslauf können einen enormen Wert haben

Menschen mit einem kurvigen Lebenslauf bringen häufig etwas mit, das man nicht einfach in einer Ausbildung lernen kann.

Sie kennen Veränderung. Sie mussten sich auf neue Situationen einstellen, haben unterschiedliche Systeme, Unternehmen, Menschen oder Arbeitsweisen kennengelernt. Sie mussten Neues lernen und vielleicht auch schon einmal etwas hinter sich lassen, von dem sie früher überzeugt waren.

Natürlich bedeutet das nicht, dass möglichst viele Jobwechsel automatisch einen großartigen Lebenslauf ergeben. Aber ein Wechsel ist genauso wenig automatisch ein Makel.

Entscheidend ist für mich, ob du deine eigene Geschichte verstehst.

Warum hast du bestimmte Entscheidungen getroffen? Was hast du aus den einzelnen Stationen mitgenommen? Was kannst du heute, weil du genau diese Erfahrungen gemacht hast? Und was davon möchtest du in dein nächstes berufliches Kapitel mitnehmen?

Wenn wir beginnen, so auf unseren Lebenslauf zu schauen, werden aus scheinbaren Umwegen plötzlich Verbindungen.

Wir dürfen uns erlauben, uns weiterzuentwickeln

Was mit 25 perfekt zu uns gepasst hat, muss mit 45 nicht mehr richtig sein.

Eigentlich ist das doch vollkommen logisch. Unsere Lebensumstände verändern sich. Unsere Prioritäten verändern sich. Wir sammeln Erfahrungen und lernen uns selbst besser kennen. Manche Bedürfnisse werden wichtiger, andere verlieren an Bedeutung.

Und trotzdem erwarten wir ausgerechnet beruflich häufig von uns, dass eine Entscheidung, die wir irgendwann einmal getroffen haben, möglichst für immer gelten muss.

Das halte ich für einen enormen Druck.

Du darfst feststellen, dass etwas nicht mehr zu dir passt.

Das macht deine frühere Entscheidung aber nicht automatisch falsch.

Vielleicht war genau dieser Weg zehn, fünfzehn oder zwanzig Jahre lang richtig für dich. Und vielleicht ist er es heute nicht mehr.

Dass berufliche Neuorientierung inzwischen viel stärker als lebenslanger Prozess gedacht wird, zeigt sich übrigens auch ganz praktisch. Die Bundesagentur für Arbeit bietet mit ihrer Berufsberatung im Erwerbsleben ausdrücklich Beratung für Menschen an, die bereits mitten im Berufsleben stehen und sich weiterentwickeln, einen Quereinstieg wagen oder sich beruflich neu orientieren möchten.

Für mich ist das auch an dieser Stelle ein wichtiges Signal: Berufliche Orientierung endet nicht nach Schule, Ausbildung oder Studium.

Genau hier beginnt meine Arbeit

Menschen kommen häufig nicht zu mir, weil sie überhaupt keine Ideen haben. Manchmal ist sogar das Gegenteil der Fall. Sie haben viele Erfahrungen, verschiedene Interessen, Fähigkeiten und Gedanken. Sie bekommen diese einzelnen Teile nur nicht mehr zusammen. Oder sie wissen sehr genau, was sie nicht mehr möchten, haben aber noch keine Vorstellung davon, was stattdessen entstehen könnte.

Genau an diesem Punkt begleite ich.

Dabei schauen wir nicht zuerst darauf, welcher konkrete Job als Nächstes infrage kommt. Wir schauen zunächst auf den Menschen.

Was kannst du? Was fällt dir leicht? Was brauchst du, damit du dich in deinem beruflichen Umfeld wohlfühlst? Welche Aufgaben geben dir Energie? Wie viel Sicherheit brauchst du und wie viel Freiheit? Möchtest du Verantwortung übernehmen und führen oder möchtest du lieber fachlich tief einsteigen? Welche Fähigkeiten nutzt du heute vielleicht überhaupt nicht?

Und auch die Frage, was von deinem bisherigen Weg unbedingt bleiben soll, ist wichtig. Denn berufliche Neuorientierung bedeutet für mich nicht, die Vergangenheit abzuwerten.

Ich möchte gemeinsam mit meinen Klientinnen und Klienten herausfinden, welcher Schatz eigentlich bereits vorhanden ist.

Dabei verbinde ich Coaching mit meiner Expertise im Gesichtlesen.

Gerade wenn Menschen sich selbst nur noch durch die Brille ihres bisherigen Berufes betrachten, kann dieser zusätzliche Blick unglaublich spannend sein. Im Gesichtlesen schauen wir unter anderem auf Anlagen, Potenziale und Fähigkeiten. Dadurch können Aspekte sichtbar werden, die jemand bei sich selbst vielleicht längst für selbstverständlich hält oder noch nie bewusst als Stärke wahrgenommen hat.

Ich werde dir dabei nicht sagen: „Du musst jetzt diesen Beruf machen.“ Das wäre auch gar nicht mein Anspruch.

Ich möchte vielmehr mit dir herausfinden, was wirklich zu dir passt und welche Möglichkeiten aus deiner ganz individuellen Kombination aus Erfahrung, Persönlichkeit, Fähigkeiten und Bedürfnissen entstehen können.

Es geht nicht darum, alles hinzuschmeißen

Berufliche Neuorientierung bedeutet auch nicht automatisch Kündigung.

Vielleicht stellst du im Prozess fest, dass dein Beruf grundsätzlich richtig ist, aber dein aktuelles Unternehmen nicht.

Vielleicht brauchst du andere Aufgaben, mehr Verantwortung oder weniger davon. Vielleicht mehr Gestaltungsspielraum. Vielleicht möchtest du dein bisheriges Wissen mit einem vollkommen neuen Bereich verbinden.

Vielleicht entsteht aus zwei scheinbar unterschiedlichen Stationen plötzlich eine berufliche Kombination, an die du vorher überhaupt nicht gedacht hast.

Und vielleicht zeigt sich tatsächlich, dass ein Kapitel beendet ist.

Das Ziel sollte meiner Meinung nach nicht sein, möglichst spektakulär alles zu verändern, sondern eine Richtung zu finden, die zu dir passt.

Dein Lebenslauf muss nicht perfekt aussehen. Er muss zu deinem Leben passen.

Ich wünsche mir, dass wir aufhören, Lebensläufe ausschließlich danach zu beurteilen, wie lückenlos und geradlinig sie aussehen.

Ein Lebenslauf erzählt doch eine Geschichte!

Von Entscheidungen, Entwicklung, Erfahrungen, Erfolgen und manchmal auch von Dingen, die nicht funktioniert haben. Von Phasen, in denen wir sehr klar wussten, wohin wir wollten, und von anderen, in denen wir suchen mussten.

All das gehört dazu.

Im besten Fall erzählt dein Lebenslauf deshalb nicht nur davon, wo du gewesen bist. Er gibt dir Hinweise darauf, wo es als Nächstes hingehen könnte.

Vielleicht stehst du gerade selbst an einem Punkt, an dem dein bisheriger Weg nicht mehr richtig passt. Dann musst du heute noch nicht wissen, was dein nächster Beruf für die kommenden zwanzig Jahre sein soll. Vielleicht darfst du zunächst anfangen, deinen bisherigen Weg anders anzuschauen: als Fundus, als Erfahrung. Und als Hinweis darauf, was du kannst, was dir wichtig ist und was noch in dir steckt.

Denn vielleicht brauchst du gar keinen vollkommen neuen Menschen für dein nächstes Kapitel.

Vielleicht musst du nur anfangen, das ganze Potenzial des Menschen zu sehen, der du längst bist.

5 Fragen zum kurvigen Lebenslauf und zur beruflichen Neuorientierung

1. Ist ein kurviger Lebenslauf heute überhaupt noch ein Nachteil?

Das kommt natürlich auf die Branche, die Position und auch das jeweilige Unternehmen an. Grundsätzlich dürfen wir berufliche Lebensläufe heute aber viel beweglicher betrachten als früher. Berufswechsel, Weiterbildungen, Auszeiten, Quereinstiege und unterschiedliche Tätigkeiten gehören für viele Menschen zum Berufsleben.

Entscheidend ist für mich weniger, ob dein Lebenslauf Kurven hat, sondern ob du selbst erklären kannst, was du aus deinen verschiedenen Stationen mitgenommen hast.

Wenn du deinen eigenen roten Faden erkennst, kannst du auch anderen vermitteln, warum genau diese Erfahrungen heute einen Wert haben.

2. Wie finde ich heraus, welcher Beruf wirklich zu mir passt?

Ich würde nicht mit der Frage nach einem konkreten Beruf anfangen.

Ich würde mit dir anfangen.

Was kannst du besonders gut? Was fällt dir leicht? Welche Aufgaben geben dir Energie und welche ziehen sie dir? Wie möchtest du arbeiten? Wie wichtig sind dir Sicherheit, Freiheit, Verantwortung, Austausch mit anderen oder Kreativität?

In meinen Coachings schaue ich deshalb zunächst auf den Menschen und seine Potenziale. Dabei nutze ich unter anderem das Gesichtlesen als zusätzliches Werkzeug, um Fähigkeiten und Anlagen sichtbar zu machen, die jemand selbst vielleicht gar nicht mehr bewusst wahrnimmt.

Der passende Beruf ist dann nicht zwangsläufig der Ausgangspunkt. Er kann sich aus diesen Erkenntnissen entwickeln.

3. Muss ich kündigen, wenn ich beruflich unzufrieden bin?

Nein.

Berufliche Unzufriedenheit bedeutet nicht automatisch, dass du deinen Job hinschmeißen musst.

Manchmal liegt das Problem gar nicht im Beruf selbst. Vielleicht fehlen Entwicklungsmöglichkeiten, andere Aufgaben, Wertschätzung oder Gestaltungsspielraum. Vielleicht passt das Unternehmen nicht mehr zu dir oder deine Lebenssituation hat sich verändert.

Deshalb lohnt es sich zunächst herauszufinden, was genau dich unzufrieden macht.

Erst danach kannst du sinnvoll entscheiden, ob eine Veränderung innerhalb deines bisherigen Umfeldes möglich ist oder ob tatsächlich ein neues Kapitel beginnen darf.

4. Bin ich irgendwann zu alt für eine berufliche Neuorientierung?

Meine Antwort darauf ist ziemlich eindeutig: Nein.

Natürlich verändern sich die Rahmenbedingungen mit zunehmendem Alter. Vielleicht gibt es finanzielle Verpflichtungen, Familie oder eine berufliche Position, die berücksichtigt werden müssen.

Das bedeutet aber nicht, dass Entwicklung aufhört. Mit zunehmender Lebenserfahrung bringst du etwas mit, das du mit Anfang 20 noch gar nicht haben konntest. Du hast Erfahrungen gesammelt, Situationen gemeistert und weißt häufig sehr viel genauer, was du möchtest und was nicht.

Du fängst deshalb auch nicht bei null an.

Du startest mit allem, was du bisher gelernt, erlebt und aufgebaut hast.

5. Was kann ich tun, wenn ich weiß, dass ich etwas verändern möchte, aber keine Ahnung habe, was?

Dann würde ich genau dort anfangen und nicht versuchen, sofort die perfekte Antwort zu finden.

Schau zunächst darauf, was du nicht mehr möchtest und vor allem, warum du es nicht mehr möchtest. Danach wird spannend, was stattdessen mehr Raum bekommen soll.

Welche Fähigkeiten möchtest du nutzen? Was fehlt dir heute? Wann hast du dich beruflich besonders wohlgefühlt? Welche Tätigkeiten interessieren dich schon lange, obwohl du sie vielleicht nie ernsthaft verfolgt hast?

Und vor allem: Du musst diese Gedanken nicht ausschließlich mit dir selbst ausmachen.

Ein Blick von außen kann dabei helfen, Zusammenhänge zu erkennen, die du selbst nicht mehr siehst, weil du viel zu tief in deiner eigenen Geschichte steckst.

Genau dabei begleite ich Menschen in meinen Coachings.

Wir machen gemeinsam sichtbar, was bereits da ist, was noch möglich sein könnte und welcher nächste Schritt wirklich zu ihnen passt.

Du musst heute noch nicht wissen, wo du in fünf oder zehn Jahren stehen wirst. Aber du darfst anfangen herauszufinden, wohin dein nächster Schritt führen soll.