Glücklich sein lernen: Warum dein Glück nicht auf dich warten sollte

Petra Lüttge mit dem Buch "Das Glück von allen Seiten"
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Wann warst du das letzte Mal so richtig glücklich? Nicht erfolgreich. Nicht stolz auf irgendeine Leistung. Nicht erleichtert, dass etwas endlich geklappt hat. Sondern einfach richtig glücklich.

Warst du vielleicht heute morgen beim ersten Kaffee glücklich? Oder haben dich ein Spaziergang durch den Wald, ein gutes Gespräch oder dieser eine Moment, in dem du gemerkt hast: Gerade ist alles gut, so wie es ist, glücklich gemacht?

Erstaunlich, oder? Wir verbringen unglaublich viel Zeit damit, dem großen Glück hinterherzulaufen. Dabei übersehen wir manchmal die vielen kleinen Glücksmomente, die längst Teil unseres Lebens sind.

Glück haben und glücklich sein sind zwei verschiedene Dinge

„Mensch, da hast du aber Glück gehabt!“ Wie oft sagen oder hören wir diesen Satz? Jemand bekommt einen großartigen Job, findet sein Traumhaus, gewinnt einen Preis oder begegnet genau dem richtigen Menschen. Von außen betrachtet sieht das nach Glück aus. Aber ist es wirklich nur Glück?

Hinter vielen dieser vermeintlichen Glücksfälle stecken Entscheidungen, harte Arbeit, Mut und manchmal auch etliche Rückschläge. Wir sehen das Ergebnis, nicht den Weg dorthin. Natürlich gibt es auch so etwas Zufälle. Wir sind dann vielleicht tatsächlich einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Aber ich bin überzeugt, dass wir deutlich mehr Einfluss auf unser Glück haben, als wir häufig glauben.

Vor allem sollten wir unterscheiden zwischen dem Glück, das uns wie zufällig und von außen widerfährt, und der Fähigkeit, unser Leben als glücklich und erfüllend zu erleben. Letzteres erschaffen wir selbst in unserem Inneren.

Ein Lottogewinn macht dich möglicherweise für einen Moment unglaublich glücklich. Ob du deshalb langfristig aber ein glücklicheres Leben führst, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Jeder ist seines Glückes Schmied. Wirklich?

Ich mag dieses Sprichwort. Und gleichzeitig finde ich es schwierig. Denn wenn jeder seines Glückes Schmied ist, bedeutet das im Umkehrschluss, dass unglückliche Menschen selbst schuld sind? Vermutlich nicht!

Wir können weder alle Lebensumstände beeinflussen noch Schicksalsschläge verhindern. Manchmal passieren Dinge, die uns den Boden unter den Füßen wegziehen. Und dann dürfen wir traurig, wütend, frustriert und unglücklich sein. Ein zwanghaftes Positivdenken nach dem Motto „Alles passiert aus einem bestimmten Grund und du musst nur das Gute darin sehen“ halte ich für ziemlichen Quatsch.

Aber etwas anderes finde ich entscheidend: Auch wenn wir nicht für alles verantwortlich sind, was uns passiert, haben wir häufig Möglichkeiten, unseren weiteren Weg mitzugestalten. Manchmal sofort, manchmal erst später und manchmal nur in kleinen Schritten.

Es geht gar nicht darum, immer glücklich sein zu müssen. Es geht darum, sich selbst wieder als handlungsfähig zu erleben. Auch die psychologische Glücksforschung beschäftigt sich mit diesem Zusammenhang. Die Forscherin Sonja Lyubomirsky erläutert in einem Interview der American Psychological Association, dass sowohl unsere Lebensumstände als auch unser Denken und Verhalten zum persönlichen Wohlbefinden beitragen.

Wir können also nicht alles steuern. Aber wir sind auch nicht ausschließlich dem Zufall ausgeliefert.

Was haben unsere Talente mit unserem Glück zu tun?

Eine ganze Menge, finde ich.

In meiner Arbeit mit dem Gesichtlesen beschäftige ich mich unter anderem mit sogenannten Talentlinien. Innerhalb dieser Methode werden unter anderem bestimmte Kombinationen von Gesichtsmerkmalen als Hinweise auf mögliche Talente und Anlagen interpretiert. Das ist ein Ansatz zur Selbstreflexion, keine wissenschaftliche Messung von Begabungen und erst recht keine Vorhersage des persönlichen Glücks.

Spannend finde ich dabei ein Paradox: Viele Talente sind nicht unbedingt hilfreich und bedeuten nicht automatisch mehr Zufriedenheit. Stell dir vor, du hast unglaublich viele Interessen, Fähigkeiten und Möglichkeiten. Alles reizt dich, vieles gelingt dir, und am liebsten würdest du zehn unterschiedliche Wege gleichzeitig einschlagen. Das kann durchaus großartig sein. Aber es kann ebenso unglaublich anstrengend werden. Denn welchem Talent gibst du Raum? Welche Interessen verfolgst du? Und wie entscheidest du, was wirklich wichtig für dich ist?

Manchmal kann es leichter sein, wenige Schwerpunkte zu haben und diese mit voller Aufmerksamkeit zu leben. Entscheidend ist für mich deshalb nicht, wie viele Talente ein Mensch besitzt, sondern ob er seine eigenen Stärken überhaupt kennt, anerkennt und ihnen einen passenden Platz im Leben gibt.

Noch schwieriger wird es, wenn wir dauerhaft versuchen, die Erwartungen anderer zu erfüllen. Wir verfolgen berufliche Ziele, die gar nicht unsere sind, orientieren uns an fremden Vorstellungen von Erfolg und wundern uns, weshalb sich das alles trotz guter Ergebnisse nicht richtig anfühlt. Das kostet Energie. Und manchmal eben auch Lebensfreude.

Wer sich selbst besser kennenlernen möchte, kann dafür ganz unterschiedliche Wege nutzen. Für mich ist Face Reading einer dieser Zugänge, um über eigene Stärken, Bedürfnisse und bislang ungelebte Möglichkeiten nachzudenken.

Die kleinen Glücksmomente

Glück muss übrigens nicht immer mit großen Veränderungen verbunden sein. Ein bewusst genossener Moment oder das Gefühl, mit einem anderen Menschen wirklich verbunden zu sein, können beispielsweise richtig intensive Glücksmomente sein..

Dass solche Erfahrungen mehr sind als nette Nebensächlichkeiten, zeigt auch die Forschung über Wohlbefinden. Das Greater Good Science Center der Universität Berkeley beschäftigt sich beispielsweise damit, wie Aufmerksamkeit, Dankbarkeit und zwischenmenschliche Verbindung dazu beitragen können, mehr Freude im Alltag wahrzunehmen. Vielleicht müssen wir also nicht ständig nach neuem Glück suchen. Vielleicht dürfen wir einfach zunächst einmal lernen, das vorhandene bewusster zu erkennen.

Deine ganz persönliche Landkarte des Glücks

Mit diesem Gedanken beschäftige ich mich in meiner Geschichte „Die Landkarte des Glücks“, die im Buch Das Glück von allen Seiten, herausgegeben von Mara Anders, veröffentlicht wird.

Eine Landkarte kann dir Wege, Möglichkeiten und Kreuzungen zeigen. Sie entscheidet aber nicht, welchen Weg wir dann tatsächlich einschlagen. So sehe ich auch unseren persönlichen Weg zum Glück. Wir dürfen unsere Talente entdecken, Entscheidungen treffen, Wege ausprobieren und manchmal eben auch feststellen, dass eine Richtung doch nicht zu uns passt. Wir müssen nicht die Lebenswege anderer kopieren, nur weil sie von außen besonders erfolgreich oder glücklich aussehen.

Dieses bezaubernde Buch rund um das Glück ist mittlerweile ein Bestseller und versammelt über 20 unterschiedliche Perspektiven auf das Glück. Es lädt dazu ein, den eigenen Blick darauf zu erweitern. Seit dem 13. Oktober 2026 ist es unter anderem bei Amazon oder Thalia erhältlich.

Vielleicht ist Glück nicht immer das, was dir passiert. Manchmal ist Glück das, was du daraus machst. Und deshalb möchte ich dir zum Schluss eine Frage mitgeben: Was kannst du ganz konkret morgen früh tun, um deinem Glück ein kleines Stück näherzukommen? Vielleicht ist genau diese kleine Entscheidung der Anfang.


5 Fragen zum Glück, zu unseren Talenten und zur Selbstführung

1. Kann man glücklich sein lernen?

Ich glaube, ja. Zumindest können wir lernen, bewusster wahrzunehmen, was uns guttut, unsere Bedürfnisse ernster zu nehmen und Entscheidungen zu treffen, die besser zu uns passen. Das garantiert kein dauerhaftes Glück, kann aber unsere Zufriedenheit positiv beeinflussen.

2. Ist wirklich jeder seines Glückes Schmied?

Nicht uneingeschränkt. Wir haben unterschiedliche Voraussetzungen und können längst nicht alles beeinflussen, was uns im Leben widerfährt. Aber wir können häufig mitentscheiden, wie wir damit umgehen und welche nächsten Schritte wir gehen.

3. Was passiert, wenn wir unsere eigenen Talente nicht kennen oder anerkennen?

Dann besteht die Gefahr, dass wir unsere Möglichkeiten unterschätzen oder dauerhaft an unseren Bedürfnissen vorbeileben. Wer seine Stärken besser versteht, kann bewusster entscheiden, wo und wie er sie einsetzen möchte.

4. Kann man Glück im Gesicht lesen?

Nein, jedenfalls nicht im Sinne einer zuverlässigen Vorhersage. Beim Gesichtlesen beschäftige ich mich mit der Interpretation von Merkmalen und möglichen Potenzialen. Für mich ist das vor allem ein Impuls zur Selbstreflexion und keine Garantie für Glück oder Erfolg.

5. Was kann ich tun, um glücklicher zu werden?

Beginne damit, herauszufinden, was Glück für dich persönlich bedeutet, anstatt dich an den Vorstellungen anderer zu orientieren. Und dann überlege, welche kleine Entscheidung du bereits morgen treffen kannst, um deinem eigenen Weg ein Stück näherzukommen.