Warum fühlen sich viele Facetten manchmal wie eine Schwäche an, obwohl sie doch einen gemeinsamen Kern haben?
Meine Themen sind viel zu verschieden und passen gar nicht zusammen.
Gesichtlesen. Führung. Unternehmertum. Veränderung. Lebensaufgaben. Mama-Sein. Persönlichkeitsentwicklung. Meine erfahrungen als Lehrerin. Meine eigene Geschichte. Und natürlich Gartenbau und Handwerk, bei dem es um Pflanzen, Gestaltung, Menschen und handfestes Anpacken geht.
Wie soll das alles zusammenpassen???
Diese Frage hat mich wirklich sehr lange begleitet und beschäftigt. Ich habe immer wieder darüber gegrübelt, weil ich geglaubt habe, dass ich mich für andere möglichst eindeutig machen muss: klare Berufsbezeichnung, ein Thema und eine einfache Antwort auf die Frage: „Was genau machst du eigentlich?“
Ich habe immer wieder versucht, meine einzelnen Facetten voneinander zu trennen: hier die Unternehmerin, dort die Gesichtleserin. An anderer Stelle dann wieder Speakerin und Impulsgeberin. Dazwischen dann meine Erfahrungen aus 15 Jahren Lehrerin und aus einem nicht wirklich besonders geradlinig verlaufenen Leben. Immer hatte ich das Gefühl, dass ich mich in Situationen für eine Facette entscheiden muss.
Heute weiß ich, dass eine Entscheidung oder Trennung gar nicht notwendig ist. Meine Themen sind nicht zufällig zusammengewürfelt und sind auch kein unübersichtlicher Bauchladen. Sie erzählen alle dieselbe Geschichte.
Die Geschichte darüber, wie Potenzial sichtbar wird und wachsen darf.
Oft sehe ich mehr als das, was gerade offensichtlich ist
Ich sehe Menschen, Situationen und Möglichkeiten nicht nur so, wie sich gerade sind. Ich sehe meistens auch, was noch darin steckt.
Ich sehe den Menschen hinter seiner Funktion. Die Fähigkeit hinter der Unsicherheit. Die Sehnsucht hinter der Anpassung. Die Stärke hinter einer Verhaltensweise, die im ersten Moment vielleicht anstrengend oder widersprüchlich erscheint.
Dieses „Sehen“ oder vielmehr Spüren begleitet mich schon mein ganzes Leben lang.
Als Lehrerin waren Wissen vermitteln und Leistungen bewerten nur ein kleiner Teil meiner Tätigkeit. Mir ging es vielmehr darum, aus welchen Gründen sich ein junger Mensch etwas zutraut oder eben nicht. Warum jemand in einem Bereich förmlich aufblüht und ein anderer vollkommen zumacht. Mich hat interessiert, welche Fähigkeiten längst vorhanden sind, aber keinen Raum bekommen und schlussendlich diesen Raum zu ermöglichen.
Als Unternehmerin sehe und erlebe ich es fast täglich, dass Menschen wachsen, wenn man ihnen Verantwortung zutraut. Ich sehe, was es mit einem Menschen macht, wenn man ihn an dem misst, was alles möglich sein könnte.
Beim Gesichtlesen geht es darum, sichtbar zu machen, was ein Mensch möglicherweise selbst spürt aber (bewusst oder unbewusst) übersieht. Seine Kraft, Begabungen und auch seine inneren Spannungsfelder. Seine Art, auf die Welt zu schauen. Seine ganz eigene Schönheit, die nicht daraus entsteht, irgendeinem Ideal zu entprechen, sondern daraus, unverwechselbar und einzigartig zu sein.
Wachstum heißt nicht, jemand anderes zu werden
Potenzial und Wachstum hören sich schnell nach Selbstoptimierung, noch erfolgreicher, noch souveräner, noch disziplinierter an.
Das verstehe ich aber nicht unter Wachstum.
Ich möchte Menschen dabei begleiten, sich selbst wieder näherzukommen. Denn Menschen haben nicht zu wenig Potenzial. Sie haben irgendwann aufgehört, ihrem Potenzial zu vertrauen.
Vernünftig sein, sich anpassen, Erwartungen erfüllen, nicht zu laut sein, nicht zu empfindlich sein, nicht zu ehrgeizig sein und möglichst auch nicht widersprüchlich sein.
Sie funktionieren, sehen sich selbst aber nicht mehr. Oder sie betrachten sich nur noch durch den Blick anderer, durch Bewertungen, Rollen, alte Geschichten oder vermeintliche Defizite.
Auch ein Gesicht erzählt keine eindimensionale Geschichte
Ein Gesicht besteht aus über 40 Muskeln, 15 Knochen und unzähligen Formen, Kombinationen und Relationen von Merkmalen. Manche Merkmale eines Gesichts wirken auf den ersten Blick widersprüchlich. Ein Mensch kann beispielsweise gleichzeitig sensibel und durchsetzungsstark sein. Oder er kann Nähe brauchen und Freiheit lieben, Sicherheit suchen und dennoch ein großes Bedürfnis nach Veränderung haben.
Vielleicht fasziniert mich das Gesichtlesen auch deshalb so sehr, weil es mir immer wieder zeigt, dass ein Mensch nicht eindeutig sein muss, um stimmig zu sein. Unsere verschiedenen Seiten müssen sich nicht gegenseitig ausschließen, sondern dürfen sich ergänzen.
Genau das, habe ich auch über mich selbst gelernt.
Meine vielen Facetten machen mich werde unglaubwürdig noch hebeln sie sich gegenseitig aus. Sie machen meine Perspektive umfassender.
Ich kenne die Sicherheit eines Beamtenverhältnisses, aber auch die Sicherheit, es freiwillig zu verlassen. Ich kenne Theorie und Praxis, denn ich kenne Unternehmensführung aus Büchern und gleichzeitig auch aus der tatsächlichen Führung eines Unternehmens mit rund 30 Menschen, echten Baustellen, Konflikten, Verantwortung und Entscheidungen, die oft nicht erst nach einer ausführlichen Reflexionsrunde getroffen werden können.
Auf meinem eigenen Weg von der verbeamteten Lehrerin zur Unternehmerin und Gesichtleserin habe ich selbst erlebt, wie es sich anfühlt, wenn die bisherige Geschichte einfach nicht mehr passt.
Und vor allem habe ich auch gespürt, wie viel Ehrlichkeit es braucht, eine neue zu schreiben.
Es beginnt mit einem ehrlichen Blick
In meiner Arbeit gibt es einen roten Faden. Er beginnt immer mit dem Hinschauen und mit einem Blick auf das, was da ist.
Wer bist du, wenn du für einen Moment aufhörst, dich durch Erwartungen zu betrachten?
Was kannst du, das für dich so selbstverständlich geworden ist, dass du seinen Wert nicht mehr erkennst?
Welche Seiten von dir hältst du zurück, weil sich nicht in das Bild passen, das du glaubst erfüllen zu müssen?
Und was würde sich verändern, wenn du nicht mehr ausschließlich danach beurteilst, was noch nicht gelungen ist?
Ich weiß, dass Menschen sich verändern können. Aber ich glaube nicht, dass Veränderung durch ständige (Selbst-)Kritik besonders gut funktioniert.
Menschen wachsen dort, wo sie wirklich gesehen werden und wo jemand ihnen zutraut, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Dort, wo sie lernen, sich mit demselben klaren und wertschätzenden Blick zu betrachten.
Deine Seiten müssen vielleicht gar nicht besser zusammenpassen
Wenn du dich für viele Dinge interessierst und du in deinem Leben unterschiedliche Rollen übernommen hast, kennst du das vielleicht auch. Dein Weg sieht im Rückblick nicht sauber geplant, sondern eher wie eine Mischung aus Umwegen, Neuanfängen und überraschenden Verbindungen aus.
Du fragst dich, wie daraus jemals eine stimmige Geschichte werden soll? Dann möchte ich dir sagen: Du musst dich nicht sortieren und einordnen, damit andere dich schneller oder besser verstehen.
Es geht eher darum, den Kern zu entdecken, der in allem steckt. Bei mir selbst ist es das Bestreben, Potenziale, die ich sehe, ins Wachstum zu bringen. In Menschen, Teams, Unternehmen, Ideen und auch Gärten.
Ich möchte Menschen dabei begleiten, sich selbst wieder ehrlich zu sehen. Nicht geschönt oder verzerrt durch äußere kritische Stimmen, die sich im Laufe eines Lebens ansammeln und recht laut werden können.
Ich wünsche mir, dass Menschen ihre Schönheit dort entdecken, wo sie eigen, widersprüchlich, lebendig und vor allem unverwechselbar sind.
Heute weiß ich: Ich bin nicht entweder Gesichtleserin, Unternehmerin, Coach, Speakerin oder Begleiterin für Veränderungen. Ich bin all das.
Der rote Faden bin ich.
Häufige Fragen:
1. Muss ich mich beruflich auf eine einzige Rolle festlegen?
Nein. Entscheidend ist nicht, dass du nur eine Sache machst, sondern dass du den gemeinsamen Kern hinter deinen verschiedenen Tätigkeiten erkennst. Und sei es „nur“, dass dich jede deiner Tätigkeiten auf eine ganz eigene Weise erfüllt.
2. Sind viele Interessen ein Zeichen fehlender Klarheit?
Das muss nicht automatisch so sein. Häufig fehlt nicht die Klarheit, sondern eher eine Sprache, die sichtbar macht, was deine unterschiedlichen Interessen miteinander verbindet.
3. Wie finde ich den roten Faden in meinem Leben?
Schau weniger auf deine Berufsbezeichnungen und mehr darauf, was du in deinen unterschiedlichen Rollen immer wieder bewirkst, suchst oder weitergeben möchtest.
4. Was bedeutet es, sich selbst ehrlich zu sehen?
Für mich bedeutet es, die eigenen Stärken, Widersprüche, Bedürfnisse und Grenzen wahrzunehmen, ohne sich größer oder kleiner zu machen, als man ist. Das bedeutet, „vor sich selber die Hosen runterzulassen“ und alle Hüllen fallenzulassen.
5. Wie kann Gesichtlesen dabei unterstützen?
Gesichtlesen kann Eigenschaften, Potenziale, Talente, aber beispielsweise auch innere Spannungsfelder sichtbar machen. Es eröffnet einen neuen Blick auf das, was einen Menschen einzigartig macht.