Selbstfürsorge im Alltag: Warum ich auch mit 47 meinen Geburtstag feiern will

Blog Petra Lüttge Geburtstag
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Was mein 47. Geburtstag mit der zweiten Lebenshälfte, dem eigenen Stellenwert und der Entscheidung zu tun hat, mich selbst wichtig zu nehmen

Ich liebe es, Geburtstag zu haben. Das war schon immer so.

Ich gehöre definitiv nicht zu den Menschen, die behaupten, Geburtstag sei doch eigentlich ein Tag wie jeder andere. Für mich stimmt das überhaupt nicht. Es ist schließlich mein Geburtstag und damit ganz offiziell MEIN Tag.

Grundsätzlich gönne ich mir deshalb an meinem Geburtstag einen schönen Tag und bestehe auch darauf, dass alle nett zu mir sein müssen. Natürlich sage ich das mit einem Augenzwinkern. Wobei vermutlich auch ein kleines bisschen Ernst darin steckt.

Letzte Woche bin ich 47 Jahre alt geworden und dieses Mal hat sich mein Geburtstag tatsächlich anders angefühlt. Zum ersten Mal hatte ich ganz bewusst das Gefühl, wirklich älter geworden zu sein und irgendwie in meiner zweiten Lebenshälfte anzukommen.

Das hört sich jetzt vielleicht schlimm an, ist es für mich aber gar nicht.

Ich habe nämlich ziemlich schnell beschlossen, diese Erkenntnis als eindeutige Nachricht aus dem Universum zu verstehen. Wenn 47 ungefähr die Hälfte ist, dann werde ich offenbar mindestens 94 Jahre alt.

Damit bin ich absolut einverstanden.

Mit 47 plötzlich in der zweiten Lebenshälfte

Natürlich weiß niemand, wie alt er tatsächlich wird. Trotzdem hat dieser Gedanke etwas mit mir gemacht.

Vielleicht verändert sich irgendwann der Blick auf die eigene Zeit. Als ich 30 war, habe ich nicht darüber nachgedacht, wie viel Leben möglicherweise schon hinter mir liegt und wie viel noch vor mir liegt. Mit 47 ist das zum ersten Mal ein bisschen anders.

Dabei empfinde ich das Älterwerden gar nicht als Bedrohung. Viel eher erinnert es mich daran, dass meine Lebenszeit wertvoll ist und dass ich selbst entscheiden darf, womit und mit wem ich sie verbringe. Und es ist auch eine Erinnerung daran, was ich schon alles erlebt, gefühlt, gemacht und geschafft habe.

Auch wenn mir mein Geburtstag wichtig ist und ich diesen für mich immer etwas zelebriere (z.B. eine Wanderung mit mir selbst durchs Bergische Land, ein Tag in der Therme für mich, eine Shopping Tour oder ein Theaterbesuch u.v.m.), ist dieser Tag in meinem Leben gefühlt immer weiter nach hinten gerutscht.

Nicht, weil er mir egal geworden wäre. Es gibt nur so unglaublich viele andere Dinge, die ebenfalls wichtig sind oder zumindest in diesem Moment wichtiger erscheinen.

Da sind die Termine der Kinder, Verpflichtungen im Unternehmen, Veranstaltungen, Menschen, die etwas brauchen, und all die kleinen organisatorischen Dinge, die zum Familien- und Arbeitsleben dazugehören. Ehe man sich versieht, wird aus dem eigenen Geburtstag ein ganz normaler Arbeitstag, an dem zufällig irgendwann jemand gratuliert und abends vielleicht noch ein Stück Kuchen auf dem Tisch steht.

Und das finde ich schade.

Selbstfürsorge im Alltag bedeutet auch, sich selbst wichtig zu nehmen

Dabei geht es mir gar nicht ausschließlich um meinen Geburtstag.

Eigentlich steckt dahinter ein Thema, das mir in meinen Coachings und auch in meinem eigenen Leben immer wieder begegnet: Wir schaffen es erstaunlich gut, uns selbst aus unserer eigenen Prioritätenliste herauszuschieben.

Das passiert meistens nicht mit einer großen Entscheidung. Niemand steht morgens auf und sagt sich: Ab heute sind alle anderen wichtiger als ich.

Es geschieht eher nebenbei.

Heute passt es gerade nicht. Diese Woche ist zu viel los. Wenn dieses Projekt abgeschlossen ist, kümmere ich mich darum. Wenn die Kinder größer sind, habe ich wieder mehr Zeit. Wenn es im Unternehmen ruhiger wird, nehme ich mir einen Tag für mich. …

Das Problem dabei ist nur, dass das Leben selten irgendwann beschließt, uns nun freundlicherweise ein vollkommen freies Zeitfenster zu überlassen.

Es wird immer etwas geben. Und genau deshalb heißt Selbstfürsorge im Alltag für mich vor allem, nicht darauf zu warten, dass irgendwann Zeit für mich übrig bleibt. Ich muss mir diese Zeit selbst zugestehen.

Sogar die AOK beschreibt Selbstfürsorge unter anderem damit, die eigenen Bedürfnisse überhaupt wahrzunehmen, sich bewusst Zeit für sich selbst zu nehmen und dieser Zeit einen festen Stellenwert zu geben.

Das klingt zunächst einfach. In einem vollen Alltag kann es trotzdem erstaunlich herausfordernd sein.

Denn natürlich möchte ich für meine Kinder da sein. Natürlich trage ich Verantwortung für unser Unternehmen. Natürlich sind mir andere Menschen wichtig. Nichts davon möchte ich ändern. Ich möchte nur aufhören, daraus automatisch abzuleiten, dass ich selbst deshalb weniger wichtig sein muss.

Mein Geburtstag darf wieder mein Tag sein

Deshalb habe ich beschlossen, meinen Geburtstag wieder stärker in den Mittelpunkt zu stellen.

Ich möchte ihn wieder feiern. Nicht irgendwann, wenn der Zeitpunkt besser passt, sondern einfach deshalb, weil jedes Jahr der richtige Zeitpunkt dafür ist.

Wie diese Feier aussieht, ist dabei eigentlich zweitrangig. Vielleicht wird sie groß, vielleicht klein. Vielleicht mit vielen Menschen, vielleicht mit wenigen, oder vielleicht feiere ich für mich ganz alleine. Entscheidend ist für mich, dass ich diesen Tag wieder bewusst als meinen Tag erleben möchte.

Du denkst jetzt vielleicht: „Hä?! Ist doch kein großes Ding!“ Für mich steckt darin aber etwas viel Größeres.

Denn warum feiern wir uns eigentlich so selten einfach dafür, dass wir da sind?

Oft brauchen wir dafür einen besonderen Anlass. Wir feiern einen Abschluss, einen beruflichen Erfolg, eine Hochzeit, einen erreichten Meilenstein oder irgendeine andere besondere Leistung.

Dabei ist ein Geburtstag im Grunde etwas wunderbar Einfaches. Ich muss nichts geleistet haben, um ihn verdient zu haben. Ich muss vorher kein Ziel erreichen und niemandem beweisen, dass ich diesen Tag feiern darf.

Ich darf mich und mein Leben feiern, einfach weil ich da bin.

Vielleicht gefällt mir genau deshalb der Geburtstag so sehr.

Die zweite Lebenshälfte möchte ich nicht auf später verschieben

Wenn ich also tatsächlich irgendwo am Anfang meiner zweiten Lebenshälfte stehe, dann nehme ich aus diesem 47. Geburtstag vor allem eine Entscheidung mit.

Ich möchte weniger auf später verschieben.

Das bedeutet nicht, dass ab morgen alles perfekt sein muss oder dass ich plötzlich nur noch Dinge mache, auf die ich Lust habe. So funktioniert das Leben ja leider nicht und so egozentriert möchte ich es auch gar nicht leben.

Aber ich möchte bewusst darauf achten, wo ich selbst eigentlich in meinem Leben vorkomme.

Für mich geht es beim Älterwerden nicht nur darum, möglichst viele Jahre anzusammeln. Entscheidend ist, wie wir diese Jahre erleben und gestalten. Und ich möchte auch in meiner zweiten Lebenshälfte neugierig bleiben, Dinge ausprobieren, mich verändern dürfen und mich selbst überraschen. Ich möchte arbeiten, weil ich meine Arbeit gerne mache, Zeit mit Menschen verbringen, die mir wichtig sind, Pausen machen, wenn ich sie brauche, und zwischendurch auch einfach das Leben feiern.

Und dazu gehört für mich ab sofort wieder ganz selbstverständlich mein Geburtstag.

Vielleicht ist das also meine persönliche Erkenntnis mit 47: Ich möchte mich selbst nicht mehr so selbstverständlich aus meinem eigenen Kalender streichen.

Wenn deshalb im kommenden Jahr jemand versucht, mir an meinem Geburtstag irgendeinen unnötigen Termin hineinzulegen, werde ich vermutlich freundlich sagen, dass ich leider keine Zeit habe.

Und wenn dann die Frage kommt, warum, reicht mir eine ziemlich einfache Antwort:

Ich habe Geburtstag. Mehr Begründung braucht es eigentlich nicht.

5 Fragen an mich zu meinem Geburtstag

Wie fühlt sich 47 an?
Erwachsener als 46, aber definitiv nicht alt. Gefühlt bin ich irgendwie immer noch Anfang 30 und das ist großartig!

Habe ich Angst vor dem Älterwerden?
Nein. Viel wichtiger ist mir, meine Zeit nicht nur zu füllen, sondern sie wirklich zu erleben. Ich will bei an meinem Lebensende auf meine Jahre zurückblicken und mich dabei erfüllt und zufrieden fühlen.

Warum ist mir mein Geburtstag so wichtig?
Weil es mein Tag ist und weil mein Leben für mich Grund genug ist, gefeiert zu werden.

Worauf möchte ich künftig wieder mehr achten?
Mich selbst nicht automatisch hinter Arbeit, Termine und Verpflichtungen einreihen.

Und wie alt werde ich jetzt?
Mindestens 94. Ich halte die Botschaft des Universums in dieser Hinsicht für ziemlich eindeutig.