Was ChatGPT und Co können und wo echte Begleitung beginnt.
Hand aufs Herz: Hast du ChatGPT oder eine andere KI schonmal etwas gefragt, das eigentlich ziemlich persönlich war? Weil du gerade wirklich nicht weiter wusstest, du in einem Dilemma gesteckt hast oder dir ein Gespräch noch schwer im Magen lag und du eine Einordnung für dich brauchtest? Vielleicht hast du auch in einer schwierigen Situation mit deinem Partner, deiner Partnerin, deinem Team, deinen Kindern oder gar mit dir selbst gesteckt und dir einen Weg raus aus dieser Situation gewünscht?
Das sind Momente, die wir kennen und in denen wir uns häufig jemanden wünschen, der uns hilft, das Gedankenknäuel im Kopf zu entwirren und zu sortieren.
Neulich war ich bei einem Workshop unserer Genossenschaft Gärtner von Eden zur Nutzung von KI im Betrieb. Es ging darum, was künstliche Intelligenz im Arbeitsalltag möglich macht, wie sie Prozesse vereinfachen kann und damit Zeit spart. Sie macht es möglich, Ideen und Dinge zu beschleunigen, bei denen ich vor nicht allzu langer Zeit erstmal lange vor einem leeren Blatt gesessen hätte. Malcom Wechota, der auch den Podcast „Das KI-Kochbuch mit Malcolm Werchota“ macht, hat dazu einen richtig guten und vor allem inspirierenden Vortrag gehalten.
Ich war fasziniert und gleichzeitig nachdenklich.
Ich sehe, was KI für Unternehmen, Führung, Kommunikation, Prozesse und viele kleine Alltagsbaustellen kann, die sonst unfassbar viel Energie fressen. Als Coach, Gesichtleserin und Unternehmerin, die mit Menschen arbeitet und jemand, der selbst schon erlebt hat, wie verführerisch es sein kann, sich von einer KI eine Antwort geben zu lassen, die sich erstmal sehr plausibel anfühlt, stellen sich mir gaaanz viele Fragen…
Kann KI einen Coach ersetzen?
Kurz und knapp: Nein.
Aber sie kann ein guter erster Sparringspartner sein und helfen, Gedanken zu sortieren, Worte zu finden und eine Situation aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Vor allem gerade dann, wenn man noch nicht bereit ist, mit einem Menschen zu sprechen, kann KI meiner Meinung nach ein guter Einstieg sein.
Der entscheidende Unterschied aber ist: Coaching gibt mehr als nur eine gute Antwort.
In einem guten Coaching geht es nicht nur darum, dass dir jemand sagt, wie du ein Problem lösen kannst. Es geht vielmehr um Beziehung, Resonanz, Nachfragen, Wahrnehmung und ganz oft um das, was zwischen den Zeilen steht. Und genau da kommt KI an ihre Grenze.
Wofür ist KI bei persönlichen Fragen hilfreich?
KI kann helfen, wenn du erstmal Ordnung in dein inneres Durcheinander bringen willst.
Wenn du festhängst und nicht genau weißt, was eigentlich los ist, kann es entlastend sein, die eigenen Gedanken bei der KI erstmal „abzuladen“. Daraus entsteht dann häufig schon eine erste Klarheit und es wird sichtbar, worum es gehen könnte. Ein Satz, der etwas greifbarer macht oder eine Frage, auf die du selbst gar nicht gekommen wärst… Das ist richtig wertvoll.
KI ist sofort und immer verfügbar ist. Sie unterbricht dich nicht, wirkt nicht genervt, hat immer Zeit, schaut dich nicht irritiert an, rollt nicht die Augen und sagt: „Schon wieder dieses Thema!“ Das ist ziemlich angenehm, erleichternd und fühlt sich gut an.
Angenehm ist zwar schön, aber nicht automatisch das Gleiche wie hilfreich und verändernd.
Wann es kritisch wird
Eine KI antwortet auf das, was du ihr gibst. Sie kennt deine Geschichte nur so weit, wie du sie erzählst. Sie merkt vermutlich nicht, ob du etwas weglässt, beschönigst, dramatisierst oder dir gerade selbst ein bisschen ausweichst.
Wenn du Zuspruch suchst, dann bekommst du sehr wahrscheinlich Zuspruch. Wenn du hören willst, dass du Recht hast, bekommst du mit etwas Geschick auch dafür eine ziemlich überzeugende Argumentation. Wenn du dein Gegenüber schlecht beschreibst, deinen eigenen Anteil aber nur ganz am Rand erwähnst, entsteht die Antwort ganau auf dieser Grundlage.
KI erscheint zwar objektiv, arbeitet jedoch mit deiner Version und deiner Wahrnehmung der Geschichte. Und wir erzählen unsere Geschichten nur selten komplett neutral.
Warum ist der Mensch im Coaching so wichtig?
Ein echter Mensch hört nicht nur deine Worte, sondern nimmt auch deine Pausen wahr, hört Tonfall, sieht Mimik Blick und Körperhaltung oder Ausweichbewegungen. Dein Gegenüber sieht beispielsweise, dass du lachst oder etwas Lustiges erzählst und nimmt gleichzeitig wahr, dass dir eigentlich zum Weinen ist. Oder du sagst etwas elegant und souverän, deine Körperhaltung erzählt aber was ganz anderes.
Ein guter Coach, eine Therapeutin Beraterin, eine Freundin oder dein Partner sagt vielleicht nicht genau das, was du hören willst. Das kann unangenehm sein, aber genau deshalb ist es auch so wertvoll.
Deine echte Entwicklung und Veränderung beginnen oft bei einem Satz, bei dem du erstmal schlucken musst, weil du genau spürst: Da ist etwas dran.
Wann reicht KI definitiv nicht aus?
Wenn es um tiefe persönliche Krisen, psychische Belastungen, Traumata, Depressionen, starke Ängste oder innere Not geht, reicht KI nicht aus. Dann braucht es einen Menschen vom Fach.
Manche Themen und Situationen gehören nicht ins Chatfenster, sondern in einen geschützten professionellen Raum mit echter Begleitung, Unterstützung und mit jemandem, der dich auch wirklich auffangen und halten kann, wenn etwas aufbricht.
Bei Beziehungsthemen, Führungsfragen oder wichtigen Lebensentscheidungen kann KI zwar eine gute Reflexion ermöglichen, aber sie sollte meiner Meinung nach nicht der einzige Ort sein, an dem du deine Wahrheit suchst.
KI achtsam für persönliche Reflexion nutzen
Mit KI kann es aber ziemlich spannend werden, wenn du nicht nur nach Bestätigung fragst.
Statt zu fragen „Was soll ich tun?“, kannst du die KI bitten, deine Perspektive einmal kritisch zu prüfen. Du kannst danach fragen, welche Anteile du übersehen haben könntest oder welche Annahmen in deiner Geschichte stecken. Oder du fragst, welche unbequeme Frage ein guter Coach jetzt stellen würde.
Dann wird KI eher zum Denkraum als zu einer digitalen Bestätigungsmaschine.
Die Verantwortung bleibt schlussendlich trotzdem bei dir, denn KI lebt nicht mit den Konsequenzen deiner Entscheidung. Sie führt nicht dein Gespräch oder repariert deine Beziehung. Deinen eigenen Anteil trägst du weiter selbst. Und das ist auch gut so.
Was also ist die beste Rolle von KI im Coaching-Kontext?
Für mich ist KI kein Ersatz für Coaching, sondern eher ein möglicher Einstieg in die Selbstreflexion.
KI kann dir helfen, schneller an die richtigen Fragen oder an die relevanten Punkte zu kommen. Sie kann deine Gedanken sortieren, Sprache anbieten, neue Perspektiven öffnen. Durchgehen musst du dann aber selbst. Und das ist manchmal leichter mit einem echten Menschen an deiner Seite. Mit jemandem, der dir zuhört, nachfragt, aushält und auch mal liebevoll unbequem und ehrlich wird.
Jemand, der das sagt, was dich wirklich weiterbringt.
Wenn du gerade an einem Punkt stehst, an dem du dich sortieren möchtest, eine Entscheidung ansteht oder du merkst, dass du nicht länger nur im eigenen Kopf kreisen willst, dann melde dich gern bei mir.
Ich gebe dir nicht die perfekte Antwort, sondern finde mit dir die Punkte, die dich selbst zu deiner perfekten Antwort bringen.